1925 - 1950
Schwarze Tage der Feuerwehr: Zweiter Weltkrieg

Die politischen Veränderungen ab 1933 veränderten jedoch auch die Situation der Feuerwehr sehr stark. Das Vereinsleben kam durch die Gleichschaltung beinahe völlig zum Erliegen. Die Feuerwehr wurde Ende 1933 der Polizei untergeordnet und verlor sowohl ihren angestammten Namen, als auch die Farbgebung der Fahrzeuge. Das traditionelle Rot wich dem Dunkelgrün der Polizei, und man wurde fortan als „Feuerlöschpolizei“ bezeichnet. Der auf die Freiwilligkeit hinweisende Zusatz wurde völlig gestrichen.

Eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte der Feuerwehr wurde im November 1938 geschrieben: Die Zerstörung des Kinderheimes des Jüdischen Frauenbundes in der Zeppelinstraße 10. Das Haus wurde in der Pogromnacht am 9. November von einer Horde Nationalsozialisten niedergebrannt. Die Hausbewohner waren zuvor in die Kälte der Nacht getrieben worden. Das Landratsamt hatte die Feuerwehr angewiesen, passiv zu bleiben. Sie kam, Zeitzeugen zufolge, deshalb erst sehr spät und durfte auch nur umliegende Häuser schützen.

Das Verhalten der Feuerwehr aus heutiger Sicht zu beurteilen fällt schwer, Unterlagen sind kaum noch vorhanden. Sicherlich gab es in der Wehr alle Facetten politischer Einstellungen. Ohne den Gedanken der Hilfe für andere Menschen jedoch kam wohl auch damals niemand zur Feuerwehr.

1939 führte die Isenburger Wehr den 29. Hessischen Landesfeuerwehrtag durch, der sein äußeres Gesicht dem Geist der Zeit entsprechend durch Aufmärsche und Paraden bekam. Anlässlich dieses Landesfeuerwehrtags erhielt die Feuerwehr eine hochmoderne Ganzstahlleiter vom Typ "Magirus". Diese war die erste ihrer Art im Kreis Offenbach.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde die Wehr dem Luftschutz zugeordnet. Wie schon im Ersten Weltkrieg rief man bald die Hauptträger des Brandschutzes zum Kriegsdienst ein. Daher wurde erneut eine Pflichtfeuerwehr eingerichtet. Je länger der Krieg dauerte, desto größer wurden die Anforderungen, die an die Männer gestellt wurden.

Bis 1943 hielten sich die Auswirkungen auf das Stadtgebiet noch in Grenzen. Die letzten Kriegsjahre jedoch ließen die Männer der Isenburger Feuerwehr kaum noch zur Ruhe kommen.

Doch damit nicht genug. Neben den Einsätzen in Neu-Isenburg hatte man auch in anderen Städten seinen Mann zu stehen. So wurde die Wehr zu einem schweren Fliegerangriff nach Darmstadt geholt, um wenig später nach einem Bombenangriff auf Frankfurt dort eingesetzt zu werden.

Der schlimmste Tag für die Feuerwehrmänner kam mit dem wohl schwärzesten Tag in der Geschichte Neu-Isenburgs. Am 20. Dezember 1943 legte ein unmittelbar auf das Stadtgebiet geflogener Bombenangriff große Teile der Stadt in Schutt und Asche. Über tausend Menschen wurden unter den Trümmern begraben, es gab mehr als 300 Tote.

Durch die Zerstörung der Hauptwasserleitung auf der Frankfurter Straße gestaltete sich die Löschwasserversorgung äußerst schwierig. Tagelang waren die Männer zusammen mit den Überlebenden der Zivilbevölkerung damit beschäftigt, nach Eingeschlossenen zu suchen oder die Leichen zu bergen.

Um im Falle einer Zerstörung des Feuerwehrhauses noch einsatzbereit zu sein, lagerte man in diesen Jahren die Fahrzeuge und Geräte aus und verteilte sie über das Stadtgebiet.

Gegen Ende des Krieges nahmen die Einsätze immer groteskere Formen an. War man vorher auch schon außerhalb tätig, so musste man jetzt bis Mainz, ja sogar bis Kassel fahren, um dort zu helfen.

Insgesamt neunzehn Kameraden, seltsamerweise die gleiche Zahl wie im Ersten Weltkrieg, kehrten nicht mehr aus dem Krieg zurück.

Die Bilanz nach Ende des Krieges: das Feuerwehrhaus schwer beschädigt, die Fahrzeuge und Geräte aber fast alle noch vorhanden und zumeist noch intakt. Die Aufbaumaßnahmen waren wie überall anfangs recht mühsam, fehlte es doch an allem Nötigen.

Teil 10: Wachablösung + technische NeuerungenTeil 12: Nachkriegszeit und Wirtschaftswunder

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