1875 - 1900
Brandschutz in den Kinderschuhen

Neu-Isenburg, um 1870: In einem Wohnhaus im Alten Ort bricht durch Unachtsamkeit beim Reinigen des Kochherdes ein Feuer aus. Der Brand wird schnell bemerkt, kann aber nicht mehr mit denen im Haushalt befindlichen Geräten gelöscht werden. Die von der Gemeinde vorgehaltenen Gerätschaften sind in sehr schlechtem Zustand und es dauert eine ganze Weile, bis diese vor Ort sind. Bis endlich mit Handdruckspritze und Löscheimern zu Löschen begonnen werden kann, hat das Feuer bereits das komplette Haus vernichtet, und auch das benachbarte Gebäude ist schon stark in Mitleidenschaft gezogen. Jeder aus der Bevölkerung arbeitet so gut er kann mit, von Taktik oder Ausbildung kann nicht die Rede sein, der Totalverlust zweier Häuser ist nicht mehr zu verhindern.

Neu-Isenburg um 1848So oder ähnlich muss es sich abgespielt haben, wenn zur damaligen Zeit im dicht bebauten Alten Ort ein Feuer ausbrach. Die Situation damals: Eine aufstrebende kleine Stadt, in der sich im Gefolge der industriellen Revolution viele kleine Gewerbebetriebe ansiedelten, wie man sie aus der Geschichte Neu-Isenburgs kennt: Wäschereien, mechanische Werkstätten, Fuhrunternehmen, Hasenhaarschneidereien und holzverarbeitende Betriebe siedelten sich im schon damals verkehrsgünstig gelegenen Neu-Isenburg an. Die Bevölkerung wuchs, Arbeit und Brot zogen damals wie heute die Menschen an.

Damals entwickelte sich auch eine rege Vereinstätigkeit, allerdings waren es vorwiegend Sportvereine, die ins Leben gerufen wurden. Eine Freiwillige Feuerwehr gab es zunächst noch nicht.

Für den Brandschutz verantwortlich war damals, wie übrigens auch heute noch, die städtische Gemeinde. Bereits 1773 hatte die evangelische Kirchengemeinde (heutige Marktplatzkirche) eine Handdruckspritze besorgt. Später übernahm die Stadt die Beschaffung und Bereitstellung der Gerätschaften zur Brandbekämpfung. Diese waren in einem alten Schuppen untergebracht. Eine vierrädrige Handdruckspritze, Löscheimer, ein paar Leitern und Feuerhaken bildeten die Ausstattung. Die Gerätschaften befanden sich in erbärmlichen Zustand. Es wird berichtet, dass eine der Leitern beim Abnehmen von ihrem Haken an der Wand in drei Teile zerbrach. Die Zustände waren für eine wachsende Stadt mit immer neuen Gefahren nicht mehr haltbar.

Übersicht HistorieTeil 2: Die Gründung

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