Ausbildung am Übungszug der Deutschen Bahn

Bericht und Fotos Christian Dexler

Etwa 4000 Angehörige von Freiwilligen Feuerwehren, Berufsfeuerwehren und der Bundespolizei werden jährlich am Gefahrgut Übungszug der Deutschen Bahn auf den Ernstfall eines Schadstoffaustritts an DB Kesselwagen vorbereitet. Zur Veranschaulichung wird die Thematik an einem Armaturen- sowie Leckage-Kesselwagen demonstriert. Durch einen Unterricht in einem dafür speziell hergerichteten Eisenbahnwaggon wird die Praxis vorbereitet.

So hatten auch mehrere Freiwillige Feuerwehren des Kreises Offenbach, darunter auch die Feuerwehr Neu-Isenburg, am 15. November 2005 die Möglichkeit wahrgenommen, diese einzigartige Übungsmöglichkeit zu nutzen.

Begonnen wurde die etwa vierstündige Ausbildung mit einem Theorieteil. Dieser beinhaltete beispielsweise die Beschriftung und farbliche Kennzeichnung von Kesselwagen sowie deren Sicherheitseinrichtungen. Abgerundet wurde dieser Abschnitt mit zwei Kurzfilmen. Einer zeigte die Problematik beim Entladen eines Kesselwagens, der dabei implodierte. Zur Diskussion führte auch der zweite Film, welcher von einem Tankwagenunglück 1994 in Zürich-Affoltern (Schweiz) handelte. Die durch Explosionen ausgelösten Zerstörungen waren besonders beeindruckend und sensibilisierten die Teilnehmer für das Thema.

Im zweiten Teil wurden die verschiedenen Armaturen und Sicherheitseinrichtungen von Kesselwagen anhand eines präparierten und auch von innen zugänglichen Armaturen-Kesselwagens vorgeführt. Hier konnten 65 der etwa 200 möglichen Bedien- und Sicherheitseinrichtungen gesehen und sogar ausprobiert werden. Der Schwerpunkt lag beim Öffnen der Ventile zum Umpumpen bzw. der damit zwangsweise notwendigen Belüftung des Wagens, was aber wiederum generell von fachkundigem Personal der Deutschen Bahn geleitet werden muss.

Höhepunkt des Tages war sicherlich das Üben am Leckage-Kesselwagen mit Chemieschutzanzügen (CSA). Unter der Anleitung unseres Stadtbrandinspektors Stefan Werner waren neun CSA-Träger mit dem Abdichten der unterschiedlichsten Leckagen beschäftigt. Per Wassereinspeisung aktiviert, mussten vier der zehn möglichen Leckagen abgedichtet werden, was sich jedoch als sehr aufwendig darstellte. Weniger Wert wurde dabei auf das Umfeld (Dekontamination, Absperrgrenze etc.) gelegt, weshalb jeder live am Geschehen teilhaben konnte. Gerade das führte zu sehr vielen Erkenntnissen für die Praxis bezüglich Koordination und Einsatz der verschiedenen Geräte unter CSA. Beeindruckend waren auch die unmöglichsten Stellen an denen ein Leck auftreten kann. Trotz der umfangreichen Ausrüstung eines GW-G 2 war es schwierig gewisse Lecks abzudichten.

Schlussendlich kann man die Ausbildung am Gefahrgut Übungszug der Deutschen Bahn nur sehr weiterempfehlen. Was wohl auch schon die Teilnehmer vor uns herausgefunden haben, denn der Zug ist mindestens für zwei Jahre im Voraus komplett ausgebucht. Feuerwehren mit Interesse an einer Teilnahme können ihren Notfallmanager der Bahn ansprechen, die dann den Kontakt zu den beiden Ausbildern Hr. Fechner und Hr. Piersig (beide DB Netz AG) herstellen können. Jedes Jahr werden etwa 120 Stationen angefahren wobei jeweils immer drei Tage für verschiedene Wehren zum Üben zur Verfügung stehen.

© Freiw. Feuerwehr Neu-Isenburg - Stand: 07.12.2005 - Impressum - Sitemap - ChangeLog